Botswana 2018

 

Samstag, der 29.09.2018

 

Der Anreisetag beginnt mit einer Taxifahrt zum Bahnhof Osnabrück. Wir nehmen den Zug Richtung München Flughafen. Also stehen uns gut 7 Stunden bevor, da unser Zubringerflug der Lufthansa von Münster/ Osnabrück nach München mal wieder gecancelt wurde. Ein Hoch auf die Verlässlichkeit der Lufthansa. Diese beschert uns nun eine Zugfahrt quer durch die Republik.

 

Nach der Fahrt in einem überfüllten Abteil mit reservierten Plätzen erreichen wir am frühen Abend den Flughafen und genehmigen uns  zunächst ein zünftiges Oktoberfestbier, auch ohne die traditionelle Tracht.

 

Unser Flug nach Johannisburg startet erst um 21:00 Uhr, wir fliegen mit South African Airlines. Wir hatten auch hier unsere Plätze vorab gebucht und für XXL-Plätze gezahlt, doch auf diese Idee kamen mit uns auch noch weitere Passagiere und die Fluglinie verkaufte die Plätze kurzerhand doppelt und dreifach. Wir kamen leiden nicht mehr in den Genuss der Beinfreiheit und nahmen in der Sardinenbüchse Platz. Für Stefan mit knapp 2 Meter Körperlänge wohl mehr als eine Zumutung.

 

Zur Erklärung erhielten wir die Auskunft, die Maschine sei kurzerhand getauscht worden.

 

Nach einer trotz Rotwein und Schlaftablette schlaflosen Nacht erreichen wir nach gut 10 Stunden unseren Zwischenstopp in Johannisburg.

 

Ich möchte hier nur kurz darauf hinweisen, dass das Platzangebot, wie bereits erwähnt, mehr als dürftig in der Maschine ist, noch dazu ein sehr mäßiger Service an Board geleistet wurde. Das Personal bot nur einmal zum geschmacklosen Essen ein Getränk und verzog sich zur Nacht in die Personalkabinen. Während der gesamten Nacht kam niemand mehr ein Wasser anbietend vorbei. Empfehlen kann man diese Fluglinie leider nach unseren Erfahrungen leider nicht!

 

 

Sonntag, der 30.09.2018

 

 

Nach der Zwischenlandung in Johannisburg haben wir genug Zeit unseren Anschlussflieger nach Victoria Falls zu erreichen, trotz der Einreiseformalitäten am Flughafen.

 

Knapp 2 Stunden fliegen wir nun einigermaßen bequem nach Victoria Falls und landen gegen 13:00 Uhr in Simbabwe. Wieder reisen wir mit einem weiteren Stempel in unserem Pass und einem Visum, für welches wir 30 US$ zahlen, ein.

 

Die Koffer lassen geraume Zeit auf sich warten, das Gepäckband ist leider defekt.  Jedoch unsere Koffer sind doch noch wohlbehalten angekommen.

 

Wir starten mit einem Kleinbus in Richtung Gorges Lodge. Die Lodge ist grandios gelegen an der rund 250 Meter tiefen Batoka-Schlucht des Sambesi.

 

Der Sambesi entspringt in Sambia und legt bis zum Indischen Ozean gut 2600 Kilometer zurück. Der Fluss ist nicht nur einer der längsten Flüsse Afrikas, genauer gesagt der viertlängste, der Strom  hat teilweise im oberen Verlauf eine Breite von fast 350 Metern, er ist auch die Lebensader für einige Millionen Menschen.

 

Nachdem wir uns etwas frischmachen konnten, genießen wir unser erstes Bier im südlichen Afrika auf dieser aufregenden Reise, ein Zambesi. Komisch, ein Bier schmeckt eigentlich überall auf der Welt. Naja, fast überall, wenn ich an unsere letzte Reise im Iran erinnere, doch das ist ja ein ganz anderes Thema.

 

Die Gorges Lodge liegt ca. 30 Kilometer von den Viktoriafällen entfernt auf dem Staatsgebiet Simbabwes. Sie ist, wie bereits erwähnt, mit einem grandiosen Ausblick auf die Schlucht ausgestattet, den man von jeder der 10 einzeln stehenden Hütten genießen kann. Die Terrassen der Hütten, sowie des offenen Restaurants laden zum Beobachten der Kaffernadler und einiger Falken sowie Bussarde ein. Es ist ein Augenschmaus, wie die Adler die Thermik nutzen und erhabenen Fluges sich durch die Schlucht bewegen. Wir haben die Gelegenheit das Wissen über diese tollen Tiere und eine Nahansicht durch ein Fernrohr des Betreibers der Lodge, sowie begeisterten Freund der Adler zu nutzen. Wir können sogar an den gegenüberliegenden Steilhängen einige Nester beobachten. Leider sind die Jungen diesen bereits in der letzten Woche entschlüpft.

 

Am Abend genießen einen sehr entspannten ersten Abend in Simbabwe.

 

Simbabwe, das ehemalige Rhodesien, genauer gesagt Südrhodesien, ist ein Binnenstaat und zählt heute ca. 16 Millionen Einwohner bei einer Fläche, die vergleichbar mit der deutschen ist. Es war eine ehemalige britische Kolonie und wurde erst 1980 von der britischen Krone in die Unabhängigkeit entlassen.

 

Robert Mugabe war erst Regierungschef, später auch Präsident des Landes und seine Politik führte Simbabwe zunächst durch verschiedene Regierungsprogramme zu überschaubarem Wohlstand, im Laufe seiner Amtszeit entwickelte sich jedoch eine Diktatur. Mugabe hat sein Land beraubt und seinen politischen und familiären Freunden zu Wohlstand verholfen. Im November 2017 wurde seine Präsidentschaft durch einen Militärputsch beendet. Simbabwe wurde einst als die „Kornkammer Afrikas“ gefeiert, durch die fast 40 Jahre dauernde Herrschaft Mugabes steht das Land heute am Abgrund und muss sich wirtschaftlich erneuern.

 

Durch die anhaltende Inflation im Land wird als offizielles Zahlungsmittel nur der US $ akzeptiert.

 

 

Montag, der 01.10.2018

 

 

Wir starten den Tag mit einem sehr lecken Frühstück mit unserem tollen Ausblick und können uns davon kaum lösen. Aber unsere heutige Mission steht ganz im Zeichen der Viktoriafälle.

 

Mit unserem Kleinbus geht es wieder in Richtung des Nationalparks und auf unserem Programm steht ein Flug über die Wasserfälle und das umliegende Land in einem Hubschrauber.

 

Der Flug ist bereits reserviert. In einer örtlichen Reiseagentur in dem kleinen Örtchen Viktoria Falls zahlen wir 150 US $ pro Person und werden anschließend zu dem gemütlichen Flugplatz gefahren. Mit uns haben noch weitere 3 Passagiere Platz. Wir erhalten nach dem obligatorischen Gang auf die Personenwaage eine Einweisung über die Flugroute und können nach einer kurzen Wartezeit den Flug starten. Durch die Kopfhörer gleiten wir leise über die tosenden Wassermassen der Viktoriafälle. Erst aus der Vogelperspektive wird uns das gesamte Ausmaß der Viktoriafälle bewusst. Über 1,7 Kilometer zieht sich der Grabenbruch durch die Landschaft und an einigen Stellen stürzt der „donnernde Rauch“, wie die Wasserfälle von den Einheimischen genannt werden, in die teils 200 Meter tiefe Schlucht. Dieser Eindruck ist unglaublich überwältigend.

 

Der Sambesi ist nach dem Nil mit knapp 7000 Kilometer, dem Kongo und dem Niger der viertlängste Fluss in Afrika mit 2693 Kilometern. Die Viktoriafälle hingegen können sich vor den Wasserfällen von Iguacu und den Niagarafällen mit einem Sturz der Wassermassen von über 100 Metern in die Tiefen der Schlucht vorne platzieren. Auch die Länge der Schlucht von immerhin 1,7 Kilometern nimmt einen zweiten Platz hinter der von  Iguacu, aber vor den Niagarafällen ein.

 

Nach dem Flug geht es dann direkt an die Viktoriafälle und in einer tollen Regenwaldlandschaft gibt es mehrere Möglichkeiten die Aussicht nahe dem Grabenbruch zu genießen. Die 1,7 Kilometer entlang der Wassermassen ist ein Naturschauspiel, welches wir hin und wieder auch mit einer Dusche im Sprühnebel genießen. Durch die gleichbleibend trockene und ca. 35 Grad erwärmte Luft ist diese Abkühlung jedoch kein Problem. Entgegen der asiatischen Freunde, die allesamt in Regenponchos gehüllt sind, nehmen wir das Spektakel gelassen wahr. Nur unsere Kameraausrüstung müssen wir fortwährend trocken legen.

 

Ich kann nun den schottischen Forscher David Livingstone gut verstehen, der beim ersten Blick auf das Naturschauspiel 1855 ins Schwärmen kam. Er benannte es nach der damaligen britischen Monarchin, Königin Viktoria.

 

Heute lassen sich die Wasserfälle von den Grenzregionen aus Sambia von Livingstone und aus Simbabwe von der Kleinstadt Viktoria Falls erkunden.

 

Von der Seite Simbabwes hat man einen umfassenden Blick auf die Wassermassen, die Abbruchkante  und die Gischt. Zum Ende der Regenzeit müssen die Wassermassen gigantisch sein, doch nun, zu Ende der Trockenzeit, im Oktober, gibt es zwar weniger spektakuläre Wassermassen, doch die Aussicht durch weniger Sprühnebel ist natürlich beeindruckender und hin und wieder werden wir auch mit einem Regenbogen beglückt.

 

An einem der Aussichtspunkte können wir am so genannten  Devil‘s Pool einige Touristen auf der gegenüberliegenden Seite Sambias beobachten, die sich bäuchlings in ein Wasserbecken bis zur Abbruchkante, an einem Seil gesichert, fallen lassen. Sicher ist die Aussicht in 100 Meter Tiefe spektakulär, doch für mich nicht von besonderem Reiz.

 

Ein weiterer Nervenkitzel folgt dann für mutige Touristen an der Eisenbahnbrücke, die man nach 1,7 Kilometern Fußweg durch den Regenwald erblickt. Die Brücke verbindet die beiden Städte dient als Grenzübergang. Von ihr können die Touristen an Seilen gesichert in die 100 Meter tiefe Schlucht springen. Auch dies ist keine Option für mich!

 

Wir machen uns auf den gleichen Weg zurück und genießen noch die letzten Blicke auf ein einzigartiges Weltnaturerbe.

 

Heute  haben wir eine Strecke von 110 Kilometern zurückzulegen und uns erwartet auch noch eine Grenzkontrolle, da wir nach Botswana einreisen.

 

Wir fahren in Richtung Kasane und nach dem obligatorischen Stempel bei der Ausreise aus Simbabwe erwartet uns bei der Einreise nach Botswana nochmals ein Stempel, das Visum für Botswana ist kostenfrei und hat 90 Tage seine Gültigkeit. Es folgt eine vorsorgliche Desinfektion unseres Fahrzeuges und unseres Schuhwerkes.

 

In ganz Botswana gibt es solche Kontrollstellen an denen man alle Schuhe der Insassen desinfizieren, sowie das Fahrzeug durch eine Wanne mit einer trüben Desinfektionsbrühe fährt.

 

Ein zweites Paar Schuhe in der Hand steigen wir aus dem Wagen und gehen durch eine Schale mit einem mit wenig vertrauenserweckenden getränkten Lappen, das zweite Paar Schuhe halten wir kurz in diese Brühe. Man geht also davon aus, dass jeder Tourist 2 Paar Schuhe mitführt.

 

Im Laufe der Reise werden wir noch einige dieser Kontrollen, die eine Verbreitung der Maul-und Klauenseuche verhindern soll, durchlaufen. Natürlich muss ich hier nicht darauf hinweisen, dass die Einfuhr von Milch-und Fleischprodukten, sowie Obst und Gemüse ebenfalls untersagt ist. Ok, meine obligatorische Leberwurst befindet sich gut verpackt im Koffer.

 

In Kasane angekommen, versuchen wir zunächst unser Glück an den vorhandenen Bankautomaten. Es ist Monatsbeginn und das Geld in den Automaten ist knapp bemessen, weiter ist noch Nationalfeiertag, die Wechselstuben sind geschlossen. Die Währung in Botswana ist der Pula, was so viel heißt, wie „Regen“. 1 Pula sind 100 Thebe, also 100 „Regentropfen“. Ich finde diese Bezeichnung sehr spaßig, zumal auch das Zuprosten mit „Pula, Pula“ intoniert wird. Wir machen davon im Laufe der Reise regen Gebrauch. Pula,Pula wird zum „Running Gag“.

 

Noch zur Information: ein Euro sind z. Zt. ungefähr 12 Pula.

 

Unser Ziel in Kasane ist heute die Chobe Bush Lodge. Es handelt sich um eine etwas größere Lodge, zumal noch eine weitere Lodge, die Chobe Safari Lodge etwas unterhalb liegt. Die Lodge ist günstig direkt am Chobe River gelegen und somit ein Eintritt in den Nationalpark. Wir sind in einem sehr geschmackvoll eingerichteten Zimmer mit allem Komfort und Balkon untergebracht. Auf der Balkon- Balustrade turnen abends die Paviane herum.

 

Das Abendessen nehmen wir in dem offenen Restaurant direkt am Chobe River ein. Ein reichhaltiges Büfett erwartet uns.

 

 

Dienstag, der 02.10.2018

 

 

Es geht mal wieder zeitig raus, ein Gamedrive steht heute Morgen auf unserem Plan. Es gilt all die Tiere zu suchen, die sich nicht unbedingt in der Nähe des Flusses aufhalten. Recht frühzeitig erregt ein Rudel des afrikanischen Wildhundes die Aufmerksamkeit der Guides. In einem Höllentempo jagen die jetzt zahlreich eingetroffenen Geländewagen die aufgeregten Tiere. Das Rudel, bestehend aus gut 10 Tieren, wird natürlich dadurch sehr aufgeschreckt. Wir sind etwas entsetzt, doch erkennen wir später die Ausnahme, ein Rudel des afrikanischen Wildhundes sichten zu können. Den weiteren Gamedrive unternehmen wir in einem angemesseneren Tempo und können sowohl die Landschaft, wie auch die zahlreichen wildlebenden Tiere in Augenschein nehmen. Der Löwe hat bereits sein morgendliches Frühstück eingenommen und verdaut dieses unter einem schattigen Baum, die Elefantenherde marschiert, wie im Dschungelbusch, durch die Savanne. Nur das lustige Liedchen des Films fehlt.

 

Der Morgen wird durch ein 2. Frühstück in der Lodge abgerundet. Danach machen auch wir ein kleines Verdauungs-Nickerchen.

 

Am Nachmittag finden wir uns an der Bootsanlegestelle des Chobe River in der Safari Lodge ein und durchqueren die teils sumpfige Flusslandschaft.

 

In etwas mehr als drei Stunden zieht ein Naturschauspiel an uns vorüber, das seines Gleichen sucht. Elefanten grasen und schwimmen durch den Fluss um an das Ufer mit dem saftigen Grün zu gelangen. Die Büffelherden liegen neben den grasenden Antilopen. Die Kulisse wirkt unglaublich friedlich und die Tiere leben in einer natürlichen Gemeinschaft, so unterschiedlich sie auch seien mögen. Selbst die Krokodile riskieren allerhöchstens mal einen einäugigen Blick, wenn ihnen das Boot etwas zu nahe kommt.

 

Der Chobe Nationalpark ist als erste Region 1967 als Nationalpark ausgewiesen worden. Er liegt im Norden des Landes Botswana, an der Grenze zu Sambia. Der Nationalpark hat eine Größe von 10.000 Quadratkilometern. Er soll durch die Einrichtung des Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area ein Teil des grenzüberschreitenden Landschaftsschutzgebietes werden, welches den natürlichen Lebensraum  den wandernden Herden von z.B. Elefanten und Büffeln zurückgegeben werden soll. An diesem Projekt sind die Staaten Namibia, Sambia, Simbabwe, Botswana und Angola beteiligt.

 

Neben den an Land lebenden Tieren beeindrucken natürlich auch die Farbenpracht und der Gesang der unzähligen hier heimischen Vögel.

 

Die Bilder dieses Ausfluges werden einer der Höhepunkte für mich auf dieser Reise sein.

 

Den Abend beschließen wir wieder mit einem köstlichen Abendessen und einem Fläschchen südafrikanischen Rotwein, heute ein Pinotage.

 

 

Mittwoch, der 03.10.2018

 

 

Auf unserem Programm steht eine weitere Fahrt über gut 5 Stunden, die wir für die mehr als 430 Kilometer benötigen. Von Kasane fahren wir südlich nach Gweta, einem Ort mit 5300 Einwohnern nördlich der Makgadikgadi Pans gelegen. Hier liegt unsere nächste Unterkunft, das Planet Baobab Camp. Dieses Camp besteht aus einzelnen Rundhütten. Die Hütten sind den traditionellen Unterkünften der hier beheimateten Bakalanga nachempfunden. Rundhütten wurden in dieser sehr trockenen Gegend bevorzugt gebaut, da die hier vorkommenden Schlangen an den runden Wänden sich immer wieder zum Ausgang bewegen. Die Bakalanga sind Verwandte der Shona und besiedelten bereits im 14. Jh. diese Gegend. Sie leben vorwiegend von der Landwirtschaft.

 

Neben der sehr beeindruckenden Salzpfanne zeichnet sich die Vegetation durch eine Vielzahl der Baobab genannten Affenbrotbäume aus. Diese Kolosse sind überdimensional und von einem mehr als biblischen Alter von zum Teil 4000 Jahren.

 

Der Baobab hat eine Höhe bis zu 20 Metern und die Krone einen Durchmesser von ebenfalls 20-25 Metern. Der Stamm hat allein einen Durchmesser von bis zu 10 Metern. Erst nach 20 Jahren trägt der Baum zum ersten Mal Früchte. Er ist ein begnadeter Wasserspeicher, weshalb er für die Menschen so bedeutend ist. Von diesem Baum wir fast alles von den hier lebenden Menschen genutzt. Aus den Früchten wird z. B. ein Pulver hergestellt, welches wiederum in Joghurt und Süßspeisen verarbeitet wird. Auch der Gehalt an Vitamin C  und B6 dient als Arznei zu Stärkung des Immunsystems. So soll  sogar aus dem Pulver der Frucht ein spezielles Bier gebraut werden.

 

Es ranken sich mehrere Legenden um diesen beeindruckenden Baum. Einer Erzählung nach hat der Teufel den Baum aus Wut ausgerissen und ihn anschließend mit den Ästen zuerst wieder in den Boden gerammt, daher sein kurioses Aussehen.  Eine andere Geschichte besagt, dass der Baobab der schönste aller Bäume werden wollte, als dies nicht gelang, steckte er seine Äste in den Boden und die Wurzeln schossen gen Himmel. Mythen über Mythen.

 

Zurück zur Realität. Nach neuesten Untersuchungen droht dem Baobab ein Aussterben, wohl bedingt durch die Veränderungen der klimatischen Bedingungen in seinem natürlichen Lebensraum, der afrikanischen Baumsavanne.

 

 

Donnerstag, der 04.10.2018

 

 

Unser Camp liegt am Rande den Makgadikgadi Salzpfannen, welche mit 12.000 Quadratkilometern die größten der Welt darstellen. Sie entstanden aus den Ausläufern der ausgetrockneten Binnengewässer des Okavango. 

 

Wir müssen wieder zeitig raus aus unseren Rundhütten und nach einem sehr guten Filterkaffee geht es raus in die Kalahari, wir besuchen eine Kolonie der Erdmännchen. Die Kolonien wandern und so ist schon ein Tracker noch zeitiger aufgestanden und hat für uns eine an die Menschen gewöhnte Kolonie ausfindig gemacht. Unweit einer Rinderfarm warten er und die possierlichen kleinen Kerle auf uns. Zu Beginn sind die Kumpel noch etwas scheu, doch nach einer Kaffeepause sind auch die Erdmännchen bereit zu „posen“. Sie nehmen übrigens diese niedliche Stellung ein um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, nicht um uns zu einem tollen Schnappschuss zu verhelfen. So liegen wir fast vor diesen kleinen Kerlen auf den Knien und die Speicherkarten der Kameras glühen.

 

Unser Mittagessen haben die freundlichen Menschen der Rinderfarm, zu der wieder zurückkehren, in der Zwischenzeit zubereitet. Die alten Leute, es sind Angehörige der hier beheimateten Bakalanga, beaufsichtigen und lehren ihre Enkelkinder und nebenbei beköstigen sie Touristen, wie uns. Auf einer kleinen Tafel wird uns eine Auswahl an Sorghum-Brei, eingelegten Bohnen, gerösteten Raupen, wildem Spinat, gekochtem Pansen und Rindfleisch serviert. Gegessen wird mit den Händen. Rinder spielen für die Menschen hier in der Gegend eine ganz besondere Rolle und auch auf dieser Farm stehen die geschätzten 80-100 Tiere in einem angrenzenden Gatter. Volkswirtschaftlich ist neben dem Bergbau (Diamanten) und  dem Tourismus die Fleischproduktion für Botswana von besonderer Bedeutung. Das Tswana Rind ist an die klimatischen Bedingungen optimal angepasst und liefert ein kleinfaseriges und Fleisch mit intensivem Geschmack.

 

Die Raupen habe ich probiert, schmecken geröstet und leicht süßlich, der Spinat ist sehr köstlich, das Rindfleisch wäre bei uns zur Zeit mega angesagt, da es dem Pulled Pork in der Konsistenz sehr ähnelt. Der Panen ging leider nicht rein, der Kopf streikte bei mir!

 

Man bricht ein wenig von dem Brei und nimmt mit der rechten Hand die übrigen Zutaten auf. Diese Form der Nahrungsaufnahme ist nicht so unbedingt die meine, ich esse ja sogar, ich gebe es zu, gerne ein Hühnchen mit Messer und Gabel. Aber in einer solchen Atmosphäre in der freien Natur bei so netten und freundlichen Menschen eine Mahlzeit einnehmen zu dürfen, das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Ich besuche noch das kleine Klohäuschen mit dem berühmten Loch und darf von der Dame des Hauses auch noch ein Foto machen. Sie erlaubt mir sogar noch einen Blik in ihre Hütte.

 

Weiter geht es nun über die Salzpfannen und in der fernen Ebene flackern die Umrisse von Antilopen und Strauße.

 

Den Tag beschließen wir mit einer Ortsbesichtigung von Gweta, der kleinen Stadt am Rande der Kalahari. Eine Grundschule steht hier auch auf unserem Programm und die kleinsten der ca. 600 Schüler singen uns sogar noch ein Ständchen.

 

 

Freitag, der 05.10.2018

 

 

Unser Tag beginnt wieder mal kurz nach Sonnenaufgang, vor uns liegen knapp 400 Kilometer, dies ist in Botswana eine Tagesreise. Die Straßen sind nicht immer ausgebaut, viele Wege verdienen diesen Namen nicht gerade. Sind die Straßen, auch teilweise Hauptstraßen asphaltiert, so gilt es einen Slalomkurs durch und um die teils einen halben Meter tiefen Schlaglöcher zu bewältigen.

 

Unsere Begleitung in allen Lebenslagen, Thomas Müller, ist ein Meister seines Faches. Hier nochmal mein ganz persönlicher Dank an Thomas, der uns das Land und seine Menschen so nahe gebracht hat. Er lebt übrigens schon seit Jahrzehnten in Namibia und ich glaube, er liebt neben seiner Frau Namibia noch ein kleines bisschen mehr als Botswana.

 

Die bereits erwähnten 400 Kilometer führen uns übrigens zu dem Tor zum Okavango-Delta, der Stadt Maun, gesprochen wird es Ma:un. Sie ist mit 50.000 Einwohnern die Hauptstadt des Nord-West-Distriktes und eben zentraler Startpunkt um in das Delta zu reisen.

 

Für uns steht ein knapp einstündiger Flug mit einer Cessna auf dem Programm und wir erobern uns diese beeindruckende Landschaft aus der Vogelperspektive. Für den Flug kaufen wir die Tickets direkt in der oberen Etage des kleinen Flughafens von Maun. Die 100 US$ sind sehr gut angelegt und ich kann es jedem empfehlen. Leider musste ich mehrmals zur Tüte greifen, da ich immer wieder durch die Kamera blicken musste und mein Gleichgewichtsorgan eine komplette Krise bekam. Aber immerhin habe ich tolle Bilder gemacht. Aus der Luft sieht man eine der beeindruckendsten Landschaften der Welt. Dies wird auch uns in diesen Momenten klar.

 

Der Okavango ist der drittgrößte Fluss im südlichen Afrika. Er entspringt im Westen in der Bergregion von Angola und nach 1600 Kilometern  „versandet“ er in der nördlichen Kalahari, wo sich auch die riesigen Salzpfannen befinden. 95% des Oberflächenwassers verdunstet, 5000 Quadratkilometer des Okavangos sind ständig unter Wasser, ca. 15.000 Quadratkilometer sind saisonal überflutet und knapp 2000 Quadratkilometer sind ständig versandet.

 

Wir sind Teil einer Tourismuswelle, die sich seit den 1990er Jahren stetig aufwärts entwickelt und mit heute jährlich 120.000 Touristen an seine Grenze stößt. Mehr Menschen kann dieses Ökosystem wohl nicht vertragen. Dank der drastisch hohen Gebühren innerhalb des Parks kann man das Abwasser-und Müllproblem noch einigermaßen bewältigen und die Touristenströme entsprechen lenken. Bedenken muss man auch, dass alle Verbrauchsgüter sehr aufwändig sowohl auf als auch von den Inseln transportiert werden müssen. Im Moremi NP, am Rande des Okavango-Deltas, dürfen z. B. nunmehr keine festen Unterkünfte errichtet werden , alle Bauten sind nur saisonal geduldet und müssen ohne bleibende Schäden für das Ökosystem wieder zurückgebaut werden können.

 

Von einem Mokoro, einem Mann der unser Einbaum durch die Kanäle schippert, erfahren wir, dass die heutigen jungen Familien bereits keine Genehmigung mehr erhalten innerhalb des Nationalparks zu wohnen. Deren Eltern und Großeltern, von denen auch die Lebensformen weitergeben wurden, werden wohl die letzten direkten Bewohner innerhalb des Deltas sein.

 

Aber nun wieder zurück zu unseren Erlebnissen. Trotz der angeschlagenen Befindlichkeit während des Fluges kann ich die Naturschönheiten genießen. Die wechselnden Farben zwischen Trockengebieten und den sumpfigen Landschaften, die Elefanten- und Büffelherden, die so friedlich durch die Gegend taumeln, ein ganz besonderes Erlebnis.

 

In Maun müssen wir nun  unseren Bus gegen zwei offene Geländewagen mit Allradantrieb tauschen. Uns erwartet eine ca. 50 Kilometer lange Fahrt nach Shorobe, ich sage mal, in sandig unebenem Gelände. Wir fahren auch wegen einer nicht geplanten Reifenpanne gut 3 Stunden und sind ebenfalls mehr oder weniger versandet.

 

Wir wohnen in der Mankwe Bush Lodge, sie liegt am Rande des Moremi Nationalparks und besteht aus 8 Hauszelten mit jeweils eigener Terrasse  und einem tollen Blick in die Buschsavanne. Dort tummeln sich neben zahlreichen bunten Vögeln auch einige Elefanten, die uns dieses Camp noch zu nachhaltiger Erinnerung verhelfen werden.

 

Neben den sich in einem Abstand von je ca. 15 Metern stehenden Zelten gibt es auch noch ein offenes Restaurant mit einer kleinen Bar. Dort werden auch die Mahlzeiten eingenommen.

 

Wir werden sehr offen und fröhlich von den 8 Angestellten des Camps mit einem kühlenden Tuch und einer Erfrischung empfangen. Nach der Einweisung durch den Manager bringen uns die Guides zu den Unterkünften. In der Dunkelheit ist es uns untersagt allein durch das Camp zu gehen. Das Camp ist nicht eingezäunt und die Elefanten statten dem Camp auch regelmäßig einen Besuch ab.

 

Nachdem Stefan eine erfrischende Dusche genommen hatte, ich mit dem Waschmittel aus der Tube einen Teil der Wäsche zu neuem Duft und Glanz verholfen hatte, nahm auch ich ein kühles Bad unter der Dusche. Als ich dann zum Handtuch griff, machte Stefan mich auf die unmittelbare Anwesenheit eines Dickhäuters hinter unserem Zelt aufmerksam. Der Kumpel hat sich aus dem reichlich vorhandenen Abwasser aus einem Bottich hinter dem Zelt mit seinem Rüssel bedient und auch sich mit meinem zitronenfrischen Duschgel erfrischt. Ich gebe zu, es ist schon für einen Europäer, der nun nicht jeden Tag mit einem Elefanten das Bad teilt, eine etwas mulmige Angelegenheit und nicht so frei von Ängsten.

 

Frisch geduscht und einer Erfahrung reicher folgt ein sehr schöner Abend mit einem leckeren Essen und dem Blick in den Sternenhimmel. Wir sitzen um ein  Lagerfeuer und genießen Rotwein und eine sternenklare Nacht.

 

Nun komme ich noch zu dem zweiten Running Gag dieses Urlaubes: „Doom für the Room“.

 

Wir befinden uns in Botswana in einem ganzjährigen Malariagebiet. Allerdings sind wir gegen Ende der Trockenzeit, also im Oktober in der Region und die Gefahr ist vorhanden, aber eher gering. Es wird jedoch auch zur Malariaprophylaxe geraten, wir haben, wie immer, eine Standby-Versorgung dabei. Nicht um den Helden zu spielen, doch ich möchte mir etwaige Nebenwirkungen und Belastungen für den Körper durch die Prophylaxe ersparen. Aber, das muss ja Jeder für sich selbst entscheiden. Nun aber zurück zu dem Running Gag. Wir finden in den Unterkünften jeweils zwei bis drei Sprayflaschen; ein Körperspray gegen die Moskitos, ein Spray zur Luftbeduftung und ein Raumspray, welches „Doom“ heißt. Zur allgemeinen Eselsbrücke werden wir angewiesen mit dem Doom die Wände des Raumes bevor wir zum Abendessen gehen zu besprühen, also „Doom for the Room“. Ich kann anhand des toten Getiers bestätigen, es wirkt.

 

 

Samstag, der 06.10.2018

 

 

Für die weitere Fahrt im Okavango-Delta packen wir jeweils eine kleine Tasche mit den nötigsten Sachen für die kommenden zwei Tage auf Xobega Island.

 

Mit den offenen Allradfahrzeugen geht es dann auch wieder gleich nach Sonnenaufgang in das Moremi Reservat. Der Nationalpark ist ein einziges Naturschauspiel. Wir sind voll von wundervollen Eindrücken und genießen die schnell wechselnde Landschaft sowie die unglaubliche Vielfalt an Tieren. Das Gebiet umfasst heute eine Größe von knapp 5.000 Quadratkilometern und wurde durch den Stamm der Batawana 1963 gegründet, als Nationalpark ausgewiesen und nach dem ersten Chief Moremi benannt. Land-und Sumpflandschaften wechseln sich ab und bieten einen abwechslungsreichen Blick. Mopane-Wälder, die ca. 80% des Gebietes einnehmen, Dorn-und Buschsavanne, dann wieder kleine Flüsse und Lagunen, sowie die kleinen Inseln, sind zu bestaunen.

 

Wir steigen am frühen Abend um in flache Motorboote, die uns quer durch die Sumpflandschaft und Flüsse nach Xobega Island bringen. In rasantem Tempo schießen die Boote durch das Wasser, während die Landschaft in das warme Licht der untergehenden Sonne getaucht ist. Mir wird es ein Rätsel bleiben, wie die Jungs an der Pinne des Bootes den Weg durch die kleinen Kanäle finden. Vielfach kann man die Abzweigungen wegen des hohen Schilfes gar nicht erahnen, dann folgt ganz plötzlich eine Spitzkehre.

 

Wir erreichen nach einer gut einstündigen Fahrt die Insel und auch hier werden wir wieder fröhlich mit einem Begrüßungsliedchen auf den Lippen von den Leuten des Camps empfangen. Die Insel wird ebenfalls in Selbstverwaltung geführt und das Personal wechselt stetig, damit alle mal in den Genuss einer Ausbildung oder eines Praktikums  kommen.

 

Wieder werden wir in die Gegebenheiten eingewiesen, auf den markierten Wegen zu bleiben und das Territorium des Camps nicht zu verlassen. Ein Freund des Camps ist Santos, ein Elefant, der regelmäßig im Camp vorbeischaut. Sollte er sich in der Nähe eines unserer Zelte bewegen, sollen wir dieses nicht verlassen und abwarten, bis der Dickhäuter sich wieder auf den Weg macht.

 

Wir beziehen unser Zelt, ein einfacheres Zelt als in Mankwe, aber es ist sauber und eigentlich auch alles vorhanden, was man braucht. Sogar ein kleines, nach oben offenes Bad ist vorhanden. Also da die Affen oben von den Bäumen auch einen Blick hineinwerfen, ist man auf dem stillen Örtchen nicht so wirklich ganz allein. Das Örtchen ist eher ein Chemieklo und die Dusche besteht aus einem Beutel, der an einem Haken hängt. Ein Beutel Wasser muss für Zwei reichen, tut er auch. Wir wurden auch angewiesen, das Klopapier möglichst immer wieder mit in das Zelt zu nehmen und nicht draußen zu lassen, unter den Freunden in den Bäumen befinden sich auch große Spaßvögel, die gerne mal dem Papier einen anderen Zweck zuweisen.

 

Nachdem wir zunächst die Unterkünfte auf Xobega als spartanisch wahrnehmen, so stellen wir doch auch schnell fest, dass man auch mit den wenigen Dingen und wenigem Komfort durchaus noch sehr gut leben kann. Wer hat schon in unseren Breiten den Luxus und wird von den Vögeln geweckt?

 

Den Tag beenden wir wieder mit einem gemeinsamen Essen mit allen Bewohnern des Camps und beschließen den Abend dann noch in der „Bar“, bestehend aus einer Kühltruhe, in der alle Getränke (einschließlich des Rotweines) gelagert werden.

 

 

Sonntag, der 07.10.2018

 

 

Am Morgen gibt es nur etwas warmes Wasser, welches für uns in einen kleinen Wasserbehälter aus Zeltplane gefüllt wird, „Katzenwäsche“ ist angesagt. Der Duschbeutel wird dann wieder zum Abend gefüllt.

 

Heute geht es zunächst mit dem Motorboot auf den Wasserwegen kreuz und quer durch das Okavango-Delta. Mal führt der Weg durch winzig schmale Kanäle, die kaum dem Boot Platz bieten, dann öffnet sich der Fluss wieder. Hippos liegen gelangweilt in dem Nass und tauchen bei zu geringer Nähe des Bootes kurzerhand ab, den Krokodilen sind wir  eher egal, die sind mega entspannt. Auch hier tummeln sich zu meiner Überraschung Elefanten im Dickicht der Uferböschung und laben sich an dem saftigen Grünzeug, vorwiegend Papyrus. Neben den Geiern und Adlern, sehen wir noch eine Vielzahl teils sehr schön bunt gefärbter Vögel, deren Gefieder in der Sonne beim Flug in tollem Glanz erscheint.

 

Wir befinden uns ganz plötzlich an der Anlegestelle und werden bereits erwartet. Wir steigen um in ein „Mokoro“, ein Einbaum-Boot. Die ganze Angelegenheit ist sehr wackelig und ich gebe zu, ich habe Angst um meine Kameras! Aber diese Ängste sind doch wohl ganz überflüssig, da unser Mokoro von einem versierten Bootsführer gelängt wird. Auch der Bootsführer heißt Mokoro und diese Art der Fortbewegung, in dem teils nur einen halben Meter tiefen Wasser, wird von Generation zu Generation vererbt. Es besteht seit einiger Zeit sogar die Pflicht einen Führerschein zu erlangen. Wir erfahren, dass unser Mokoro diese Kunst von seinem Großvater erlangt hat. Das Boot wurde ursprünglich aus dem Leberwurstbaum gefertigt, heute verwendet man Fiberglasboote, um die Bäume zu schützen. Der Leberwurstbaum trägt seinen Namen zu Recht, da er bis zu 50 cm große Früchte trägt, die schon sehr einer Wurst ähneln. Übrigens sind die Früchte sehr beliebt bei Elefanten und Antilopen, sodass sich die Leoparden auch gerne auf den Bäumen in Stellung bringen, da sich deren Mahlzeit geradezu darunter befindet. Sehr praktisch, er muss eigentlich nur warten.

 

Wir gleiten also in einer unfassbaren Stille durch das Kanalsystem. Auch dies ist wieder eine Erfahrung, die unbeschreiblich schön ist.

 

Während der Mittagshitze verbringen wir die Zeit in unserem Camp. Thomas, der mit dem meisten Hunger, wird zum Essen lange Zeit vermisst. Vor seinem Zelt hatte sich tatsächlich der Elefant postiert und er musste warten, bis der Freund sich so langsam trollte. Ich hatte im Vorfeld eher gedacht, es sei eine kleine touristische Anekdote, doch der Dickhäuter weilt noch den gesamten Nachmittag in der Nähe des Camps. Es gibt also auch Beweisfotos.

 

Die Mittagshitze nimmt noch weiter zu und wir drücken uns unter den Zeltplanen und erfreuen uns an einigen heißen Lüftchen, die hindurch wehen. Ich spreche hier von einer Durchschnittstemperatur von 38 Grad C wohlgemerkt.

 

Am Nachmittag gehen wir mit den Booten dann nochmal auf Pirsch und nun sehen wir auch eine ganze Kolonie der eher hässlichen Marabus, Geier, Störche und weiterer Wasservögel. Ein traumhafter Anblick.

 

Zum Abschluss dürfen wir noch auf dem Boot, mit einem Glas Rotwein in der Hand, einen fast schon kitschigen Sonnenuntergang erleben. Blau-Rot-glühender Horizont und Vogelgezwitscher, das Wasser plätschert… ein Traum!

 

Wir werden bereits wieder auf unserer Insel von Agnes, der Managerin, erwartet. Die ist einfach immer gut gelaunt!

 

Nun endlich können wir wieder unter unsere Buschdusche springen und sind doch sehr überrascht, wie viel Wasser sich in dem Beutel verbirgt. Frisch duftend setzen wir uns wieder an einen reich gedeckten Tisch. Wir kommen während des Essens mit einigen „Alleinreisenden“ ins Gespräch; unter anderen mit einem Profifotografen, der mit seiner Frau 6 Wochen in einem Jeep mit Campingaufbau unterwegs ist. Weiter ist auf der Insel ein holländisches Paar gewissermaßen gestrandet, da ihr Wagen streikt und sie auf einen Ersatzwagen am Ufer warten müssen. Sie sind in stetigem Kontakt mit dem Autovermieter, sofern es die Internetverbindung zulässt.  Ich glaube, wenn man sich mit der Gegend und dem Land etwas auskennt, kann man eine solche Landschaft auch sehr gut allein bereisen, doch man sollte sich schon mit der Infrastruktur auseinandersetzen und vielleicht nicht gerade seine erste Reise in Afrika in Botswana planen.

 

Ein Wort zum Internet: Vor der Reise zur  Insel Xobega wurde uns noch empfohlen eine Powerbank mitzuführen, da nur bedingt Strom zur Verfügung steht. Doch wieder erwartend  verfügen wir über eine Ladestation im Gemeinschaftszelt und siehe da, es gibt sogar WLAN. Ich bin ja wirklich ein Anhänger des Internets, doch hier wäre ohne vielleicht ein Gewinn. Vielleicht sollte man darüber mal nachdenken. Wenn man es hat, nutzt man es ja auch, oder?

 

 

Montag, der 08.10.2018

 

 

Am Morgen verlassen wir die Insel im Okavango-Delta wieder und unser Weg über die gut 200 Kilometer führt uns mit weiteren Tierbeobachtungen wieder zurück zur Mankwe Lodge.

 

Wir sind noch immer auf der Suche nach dem Leoparden, der uns von den obligatorischen „Big Five“ noch fehlt. Ich sollte ihm als Einzige begegnen.

 

Für das Mittagessen haben wir ein Picknick geplant und unsere Jeeps halten in einem bewaldeten Gelände. Emax, einer der Guides, sagt, wir können unbedenklich die Buschtoilette aufsuchen und wir schwärmen in dem Wäldchen aus. Ich suche mir einen netten Platz hinter einem Gebüsch, mit Aussicht auf das nahe Wasserloch, wo friedlich verschiedene Tiere grasen. Nachdem ich mein Revier markiert habe, erhebe ich mich und aus dem Gebüsch brüllt mich eine dunkle Gestalt an und macht einen Satz auf mich zu. Ich schreie und falle zu Boden. Warte ab. Nachdem ich mich gesammelt habe, kommt mir der Tierfilmer Andreas Kieling in den Sinn, der sagte mal: „Bei Kontakt mit einem Wildtier, langsam bewegen und rückwärts langsam entfernen“. Dies tue ich dann auch. Nach ein paar Metern kkommen, von meinem Schrei alarmiert, auch schon die Guides und suchen das Gebüsch nach dem Tier ab, doch der Leopard hatte sich noch schneller durch das Dickicht vom Acker gemacht. Der Freund hatte wohl doch noch mehr Respekt vor mir; wenn der wüsste. Zum Glück habe ich Zeugen, die das Gebrüll ebenfalls gehört haben und auch das Tier flüchten sahen. Für mich ist das Picknick also vorbei, bevor es begonnen hatte.

 

Für die Fahrt zurück nach Shorobe benötigen wir 6 Stunden, es geht wieder über die äußerst miserable Sandpiste und diesmal halten auch unsere Reifen.

 

In der Mankwe Lodge angekommen, genießen wir den vermeintlichen Luxus mit einem eigenen Bad im Vorzelt und einer eigenen Dusche. In der Nacht schrecken wir gegen 3 Uhr hoch, wieder macht sich ein Elefant hinter unserem Zelt zu schaffen. Auch die Hyänen stehen am frühen Morgen bei uns vor der Terrasse. Es ist schon sehr mystisch, die Geräusche der Nacht, das Brechen der Äste durch die Elefanten, das Heulen der Hyänen oder auch das morgendliche Erwachen der Vogelwelt in dem Zelt liegend zu hören.

 

 

Dienstag, der 09.10.2018

 

 

Am Morgen machen wir dann eine etwas betrübliche Entdeckung. Die Elefanten haben sich an dem Rohrsystem der Wasserversorgung der Zelte zu schaffen gemacht und einige Rohre komplett aus dem Boden gezogen. Dies heißt für uns also, keine Dusche. Die Küchencrew bemüht sich uns noch ein Frühstück zu zaubern und mit einer leichten Verspätung nehmen wir Abschied von der abenteuerlichen Zwischenstation auf dieser Reise.

 

Unser Weg führt uns weiter durch die Savannenlandschaft der Kalahari, zurück nach Maun. Wir tauschen die offenen Geländewagen wieder gegen unseren Bus und besuchen in Maun eine Kindertagesstätte namens Bana Ba Letsatsi, was so viel wie Sonnenkinder heißt. Eine irische Krankenschwester hat diese Einrichtung 2002 für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 14 Jahren ins Leben gerufen. Heute haben 150 Kinder die Möglichkeit hier ihre Zeit zu verbringen. Das Ziel ist es, die Kinder von der Straße zu holen, ihnen eine Mahlzeit zu geben und sie bei den Hausaufgaben und in Sachen Weiterbildung zu helfen und anzuleiten. Die Kinder leben jedoch weitgehend in ihren Familien, werden nur tagsüber in dem Kinderheim betreut.

 

Hier der Link zur  Internetseite : https://www.chamaeleonstiftung.org/soziales/afrika/botswana/bana-ba-letsatsi/

 

 

Mittwoch, der 10.10.2018

 

 

Heute steht wieder eine lange Fahrt auf dem Programm, es geht 400 Kilometer in Richtung Ghanzi zu einer Farm der ethnischen Volksgruppe der San. Die San waren ursprünglich Jäger und Sammler und heute ist deren Lebensraum sehr beschränkt. Man versucht durch verschiedene Projekte die Lebensformen weitestgehend zu bewahren und bietet durch ein Projekt wie das unserer heutigen Unterkunft verschiedene Möglichkeiten. Der Farm  Dqae Oare San liegt in der Nähe von Ghanzi. Verwaltet und betrieben wird die Lodge und das dazugehörige Areal dieser ehemaligen Viehfarm von den umliegenden Communities der San – der Buschmänner. Ruhe, unberührte Wildnis und vor allem die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der San sind beeindruckend. Die Farm besteht heute aus einem Haupthaus mit einer Rezeption, einigen Zimmern im Wohnhaus.  Gegenüber dem Gästehaus liegt ein offenes Aral für die Mahlzeiten und eine kleine Feuerstelle, das so genannte „Busch-TV“ um das wir uns nach dem köstlichen Essen versammeln. In einer kleinen Kühlbox befinden sich Bier und Wein und diesen Vorrat haben wir dann auch schnell eliminiert. Es war ein sehr schöner Abend, den uns die San mit einem traditionellen Tänzen um das Lagerfeuer noch nachhaltiger gestalten.

 

Am Nachmittag unternehmen wir noch einen Gang durch die nahe Landschaft. Uns führt ein ulkiger kleiner Kauz in die Lehre der Heil-und Nutzpflanzen ein, zeigt uns Tierspuren und auch die Kunst des Feuermachens. Er bringt uns seine Kultur mit so viel Herzblut entgegen, dass es uns eine wahre Freude ist ihm zu folgen. Die San drücken sich in ihrer Sprache mit Klicklauten aus, diese sind für uns nicht machbar, wir haben es versucht. Seine Ausführungen werden uns von seiner weiblichen Begleitung auf diesem Gang durch die Savanne ins Englische übersetzt.

 

In Botswana leben noch ca. 49.000 San, im gesamten afrikanischen Raum etwa doppelt so viele. Es ist ein Urvolk, von deren Wurzeln möglicherweise wir entstammen. Die Felszeichnungen in Simbabwe u d in den Drakensbergen, immerhin gut 2000 Jahre alt, werden den San zugesprochen.  Die San werden auch als Noakwe bezeichnet, was so viel wie „Rote Menschen“ bedeutet. Aus ihrer Religion heraus  glauben die San  an krankmachende Geister und  befragen Orakel. Es gibt Heiler und man begibt sich durch die Tänze in Trance. Ihre natürliche Lebensform ist heute stark eingeengt und so leben und betreiben sie heute Farmen, im günstigsten Fall eine wie diese.

 

 

Mittwoch, der 10.10.2018

 

 

Wir nehmen so langsam Abschied von Botswana und von unserer Begleitung, von Thomas. Es waren aufregende Tage in Botswana, die uns noch lange, auch dank Thomas ruhiger, einfühlsamer und umsichtiger Art in Erinnerung bleiben werden.

 

Wir fahren weiter in Richtung Namibia und ein letztes Mal zücken wir die Ausweise, desinfizieren unsere Schuhe und genießen die letzten beiden Tage auf unserer letzten Lodge, der Onjala Lodge, ca. 40 Kilometer nordöstlich von Windhoek. Dort erleben wir wieder ein wenig mehr Luxus und noch zwei schöne und entspannte Tage. Wir dürfen nochmals bei einem „Bushwalk“ ein Frühstück in der freier Wildbahn und einen unbeschreiblich schönen Sonnenuntergang zum Abschluss des Tages erleben.

 

Am 13.10.2018 sind wir nach einer 25-stündigen Rückreise wieder in Osnabrück angekommen und packen unsere Koffer aus, aber die Erinnerungen an diese Reise werden uns noch sehr lange begleiten. Es waren unglaubliche Eindrücke. Wir haben liebenswerte und spannende Menschen kennengelernt und eines der letzten Paradise!