Auszug aus dem Reisebericht Seidenstraße

 

Donnerstag, der 10.05.2018

 

Nach dem Weckruf um 7:00 Uhr und einem wieder grandiosen Frühstück starten wir heute um 8:30 Uhr Richtung Iran. Heute wird es ernst mit dem so ungeliebten Kopftuch.

Aber zunächst verlassen wir Aschgabat Richtung Gebirge und tauchen in eine hügelige, sehr grüne Landschaft ein, ein Vorteil zu dieser Jahreszeit zu reisen. Die Landschaft macht einen richtig satt-grünen Eindruck.

Nach etwa 40 km erreichen wir den ersten Grenzposten, hier gilt es lediglich die Pässe vorzuzeigen. Nun geht die Fahrt ca. 1 Stunde durch das Niemandsland. An dem Grenzposten angekommen gehen wir mit unserem Gepäck in die Abfertigungshalle, ein kleiner Raum mit zwei Schaltern.

Drei turkmenische  Frauen haben bereits Platz genommen. Eine der Damen mit den interessanten Kopftuchaufbauten gibt uns zu verstehen unsere Pässe einfach an dem einen Schalter abzugeben. Nun passiert erst mal nichts, eine ganze Stunde passiert erst mal nichts.

Dann kommt plötzlich Bewegung in die Szene, da die ersten Frauen ihre Pässe an dem zweiten Schalter gestempelt abholen dürfen und dann werden die Tüten, Taschen und Koffer auf einen kleinen Handkarren gepackt und sie dürfen den nächsten Raum betreten. Bei uns ist es dann nicht so reibungslos, da plötzlich nur noch 9 Pässe an den zweiten Schalter angekommen sind. Nun ist unser neuer Reiseleiter ebenfalls angekommen, eine Sahneschnitte!  Augen wie Omar Sharif, schlank wie eine Tanne und Haare wie Jesus, eben nur mega schwarz. Der Bengel ist super nett, 36 Jahre und hat 14 Semester in Köln Wirtschaftsinformatik studiert. Er spricht auch noch ein super Deutsch.

Also die Sahneschnitte kümmert sich nun um den fehlenden Pass, der die zwei Meter von Schalter eins zu Schalter zwei nicht geschafft hat, der erste Beamte hatte ihn  verdödelt. Das kann in dieser Hektik ja auch schon mal passieren. Wir bleiben entspannt.

Nun könnte es losgehen, mit der Abfertigung. Für uns wird das antiquarische Kofferband angeschmissen, die Koffer bewegen sich, mein kleiner Ziehkoffer bleibt nicht darauf liegen, ich entnehme ihn wieder des Bandes und gehe mit ihm  und meinem Rucksack an der Kontrolle vorbei und niemanden hat es gestört.

Nach der erneuten Passkontrolle und einem weiteren Stempel sind wir nun in den Iran eingereist, Allah sei Dank!

In unsere Gruppe wird heiß diskutiert, warum es in den Iran heißt, so wie in die Schweiz. Wir finden hier und jetzt keine Antwort darauf.

Wir besteigen also unseren Bus, etwas fahrtüchtiger als der letzte und die Reise in den Iran beginnt  auch physisch. Nach einer guten halben Stunde Fahrt machen wir unterwegs eine Teepause, an einem sehr romantischen Flusslauf. Kaveh und der sehr nette Fahrer bauen eine kleine Campinggarnitur auf, wir werden mit Kaffee und Tee, sowie Bananen und dänischem Gepäck bewirtet. Der erste Eindruck vom Iran!

Gleich beginnt in der Einöde bei Tee und Gebäck eine Diskussion mit Kaveh über die politische Situation nachdem der amerikanische Präser, das sogenannte Trampeltier, das Atomabkommen vorgestern aufgekündigt hat. Kaveh ist sehr angetan von unserer Bundeskanzlerin, wir stellen Sie hier in der iranischen Gebirgslandschaft in Frage, was für eine unwirkliche Welt.

Als auch noch die Stellung der Frau diskutiert wird, rettet sich Kaveh vor den Einwänden mit der Aussage, im Iran gelte bereits seit 1962 das Wahlrecht der Frauen.

Nachdem wir nun also die Weltlage durchgekaut haben, setzen wir unsere Fahrt nach Maschhad fort, gut 280 Kilometer.

Die hügelige Landschaft wird nun auch mit riesigen Mohnfeldern in ein Farbenspiel getüncht, Monet hätte seine Freude daran gehabt. Kleinere Orte ziehen an uns vorüber, nehmen uns die Menschen wahr, so winken uns viele ganz freundlich zu.

Maschhad ist die Hauptstadt  der Provinz Khorasann Razavi im Nordosten des Landes. Eine Stadt mit 2 Millionen Einwohnern und damit größer als Isfahan. Sie liegt auf dem Hochplateau in knapp 1000 Meter Höhe. Es ist ein Wallfahrtsort mit dem größten und bedeutendsten Heiligtum der Schiiten. Hier liegt der achte Imam der Schiiten, Imam Reza begraben.

Vor dem Heiligtum bei der Einfahrt in die Stadt machen wir an einer dreispurigen Straße einen Fotostopp, da man in dem Heiligtum nicht fotografieren darf. Bevor wir das Heiligtum betreten dürfen, müssen die Frauen einen Tschador anziehen. Ein Fuddel aus Synthetik, mit Öffnungen für Kopf und Arme, lange Ärmel. Unser Taschdor könnte auch einem ehemaligen Bettbezug entstammen, weiß mit lila Blümchen drauf. Freundliche, in schwarze Tschador gekleidete Frauen haben Mitleid mit mir und helfen mir in dieses Ding, es ist nicht einfach die Öffnung für den Kopf zu finden und das Gummiband über den Hinterkopf zu befestigen, schon gar nicht als Brillenträgerin. Die Damen amüsieren sich und mich befremdet ein unterwürfiges Gefühl. Mag sein, dass den Frauen hier dieses Gefühl fremd erscheint, ich kann aber umso besser die jungen Frauen in den großen Städten verstehen, die sich wenigstens dem Gebot des Kopftuches, welches aus vorislamischer Zeit entstammt, entledigen möchten.

Nun gut, es handelt sich um das bedeutendste Heiligtum der Schiiten und da will ich mal der Kleidungsvorschrift entsprechen. Wir betreten das Heiligtum, die Heiligtümer besser, da es sich um ein Konglomerat aus Medressen, Moscheen und Karawansereien handelt, mehr als 20 Einzelgebäuden.

Alle Gebäude sind ausgeschmückt mit Fliesenmosaiken und in den Moscheen glitzern tausende kleiner Spiegel. Die Kuppel der Grabkammer des Imam Rezas ist mit purem Gold überzogen. In der Mitte der Grabkammer steht der Schrein des achten Imam. Wir dürfen dieses Heiligtum nicht betreten, dürfen jedoch mit unseren Schuhen in der Hand eine der riesigen Moscheen betreten und dort sogar ein paar Fotos mit dem Handy machen. Ich frage unsere weibliche Begleitung und sie erlaubt ein Fotografieren; mit dem Handy, das ich glücklicher Weise  bei mir trage.  Es ist bereits früher Abend, so gegen 17:00 Uhr und einige der Innenhöfe, die die einzelnen Gebäude miteinander verbinden werden mit unzähligen Teppichen ausgelegt. Die Gläubigen nehmen mit ihren Familien Platz und es beginnt eine Mischung aus Picknick und Gebet, gelebte Religion eben.  Die Atmosphäre ist aufgeschlossen, es bilden sich Vielerorts Gruppen von Frauen und Männern, die im regen Kontakt sind.

Wir fahren mit dem Bus nun zu unserem Hotel in der Stadt und nach einer kurzen Pause nehmen wir auch im Hotel unser Abendessen ein. Da wir bereits um 6:05 Uhr am Morgen unseren Zug nehmen müssen, treffen wir uns bereits um 19:00 Uhr zum Essen. Natürlich sind wir die Einzigen im Restaurant und für uns wird schnell noch das Vorspeisenbuffet hergerichtet. Es gibt zweierlei Suppen, eine scharfe Gerstensuppe und eine Hühnersuppe. Ich habe mich für die Gerstensuppe, sprich bei uns Graupensuppe entschieden, die ich in Deutschland nie angerührt hätte, hier schmeckt sie mir jedoch prima.

Danach kommt Rohkost auf den Teller und als Hauptgericht wird ein Eintopf gereicht. Auf einem tiefen Teller kommt Sellerie und Hammelfleisch, ein 4 Stunden gegartes Gulasch, dann wird auf dem zweiten Teller Reis und Reiskuchen serviert. Die Iraner schütten nun bei Tisch das Gulasch über den Reis und alles wird vermengt und mit dem Löffel gegessen. Das Gulasch, wie ich es mal bezeichne, war leicht säuerlich und mit einem Hauch von Curry angemacht, ganz anderer Geschmack, aber sehr lecker.

Natürlich müssen wir heute auf ein Bierchen, zumindest mit Alkohol, verzichten. Es gibt Cola, Fanta und ein Bier mit Ananas-oder Limettengeschmack, natürlich ohne einen Hauch von Alkohol, die Leber wird es uns danken.

Übrigens entgegen der allgemeinen Vorstellung darf man im Iran rauchen, was Stefan und einem weiteren Mitglied unserer Truppe in hohem Maße erfreut, Kaveh zieht auch gerne mal eine durch. Er freut sich auch immer über rauchende Touristen, dann fallen die Raucherpausen etwas ergiebige aus.

Nun noch kurz zu der Kleidervorschrift: für Männer gilt lange Hose und kurze Ärmel sind ok, kurze Hose ist ein No-Go.

Bei den Frauen sind sie nun doch pingeliger, der öffentliche Raum gehört hier eindeutig dem Mann. Für die Frau gilt zwingend, weitere Oberteile, den Po bedeckend und das Kopftuch, weitgehend leger getragen. Dahingehend hat sich im Iran viel getan.

Ich hatte mich bislang ja einer Reise in den Iran verweigert, aus dem Grund des Kopftuchzwanges. Ich finde, ich als Tourist beuge mich diesem Gesetz, für dessen Abschaffung die Frauen in diesem Land so mutig und vehement kämpfen. Der Grund diese Reise doch zu diesem Zeitpunkt zu unternehmen war die Ankündigung des begleitenden Reiseführers, der uns bereits vor fünf Jahren während einer Reise durch Rajasthan begleitete und uns das Land näher gebracht hatte. Ok, ich habe mich auch von Stefan etwas breit quatschen lassen.

Nun bin ich jedoch froh diese Reise zum jetzigen Zeitpunkt unternommen zu haben, denn vielleicht wird die politische Lage weitere Reisen in diese Region für längere Zeit nicht zulassen. Die USA, sprich der schwachsinnige Häuptling, haben den Schurkenstaat als ihren persönlichen Feind auserkoren. Da Netanyahu in das gleiche Horn bläst und die Atmosphäre noch zusätzlich anheizt, kann man nichts Gutes erwarten.

Israel hat in den letzten Tagen iranische Stellungen in Syrien angegriffen, dabei sind 20 Iraner zu Tode gekommen. Hoffentlich lässt sich der Iran nicht provozieren. Da sich die Europäer noch mehrheitlich zu dem Atomabkommen bekennen und gedenken dieses einzuhalten, hoffe ich auf ein besonnenes Verhalten von Rhomenei.  Kaveh sagt, der iranische Führer will sich erst nach einer 14tägigen Bedenkzeit zu einer Entscheidung zur Urananreicherung äußern.

Abwarten und Tee trinken! Wir werden die weitere Entwicklung interessiert beobachten.

 

Freitag, der 11.05.2018

Unsere Nacht war sehr kurz, bereits um 3:30 Uhr klingelt das i-Phone. Nach einer schnellen Dusche finden wir uns mit den Koffern um 4:00 Uhr in der Lobby ein und im Restaurant hat man bereits Kaffee und Tee zubereitet und kleine Muffins bereitgestellt.

Unser Busfahrer bringt uns in gut 15 Minuten zum Bahnhof von Maschhat. Vor dem Betreten des Gebäudes müssen wir unsere Pässe zeigen und nach Geschlechtern getrennt betreten wir die Bahnhofshalle.

Es ist eine sehr geräumige Räumlichkeit mit Sitzgelegenheiten für mehrere hundert Reisende und diverse Kioske. Maschhat ist ein bedeutender Pilgerort, ist der bedeutendste Pilgerort im Iran und so sind die Örtlichkeiten für diese Massen auch ausgelegt.

Wir sollten etwa eine Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof sein, also genügend Zeit die Atmosphäre zu genießen, morgens um fünf Uhr. Wir sind um diese Zeit nicht die einzigen Reisenden und uns begegnen bereits sehr viele Frauen, vorwiegend in ihren Tschador gekleidet. Einige der Damen beäugen mich sehr skeptisch, da mein Kopftuch doch vielleicht in diesem Teil des Landes, es handelt sich um einen Wallfahrtsort, etwas zu weit nach hinten verrutscht ist.

Wir nehmen nun erst mal Platz und schauen uns um. Natürlich werden wir als Touristengruppe wahrgenommen und man kann das Getuschel über uns erahnen. Einige der Reisenden bemühen sich sogar und fragen unseren Reiseleiter woher wir kommen. Nachdem Kaveh erklärt wir seien aus Deutschland werden wir sehr herzlich willkommen geheißen. Man wünscht uns vielfach eine gute Reise. Eine junge Dame wünscht mir im Vorbeigehen auf dem Weg zum Zug  leise ins Ohr flüsternd viele schöne Tage im Iran. 

Wir besteigen das Abteil, ein Großraumabteil, interessanterweise mit den Sitzen entgegen der Fahrtrichtung. Gleich nach Abfahrt erhalten wir gekühltes Wasser und ca. 1 Stunde später ein Frühstück. Es besteht aus Fladenbrot, ein Weichkäse und Ei oder Marmelade, später folgen Tee und Kaffee.

Wir lassen also die Landschaft an uns vorüberziehen und ab und zu machen wir auch ein kleines Nickerchen.

Die Gegend ist eher karg, eine Steppe mit verschiedenen kleinen Siedlungen mit Landwirtschaft und Schafherden, die an den Gleisen grasen. Ich wundere mich, da die Gegend sehr dünn besiedelt ist. Die wenigen Behausungen sind oft in Lehmziegelbauweise erstellt und teils sehr heruntergekommen.

Mittlerweile sind 2 Stunden vergangen und weiter geht es durch das trockene Hochplateau, wir befinden uns durchgängig auf knapp über 900 Meter Höhe.

Nun mal kurz ein  paar Daten zu dem Iran:

Im Iran leben 80 Millionen Menschen, zu Beginn des 20. Jh. waren es knapp 5 Millionen, zur Zeit der Revolution 1979 lebten hier 37 Millionen Menschen.

Das Land ist 1,6 Millionen Quadratkilometer groß, etwa halb so groß wie Indien, viermal größer als Deutschland.

Der moderne Expresszug von Maschhad nach Teheran benötigt ca. 7,5 Stunden für die etwas mehr als 700 km Fahrstrecke.

Gegen 12:00 Uhr wird uns sogar noch ein Mittagessen bestehend aus zwei Hühnchenspießen mit Reis, dazu ein Limettensaft und Joghurt. Auch ein Getränk, eine Cola oder eine saure Milch mit Minze ist inbegriffen. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Außenbezirke der 13 Millionenstadt  Teheran.  

Unser Hotel liegt zwar im landestypischen 5-Sternebereich und es verströmt in der Lobby und den Restaurants den Charme vergangener Tage, besser eher Jahrzehnte, leider sind die Zimmer in einem eher heruntergerockten Zustand. Aber insgesamt muss ich sagen, hatte ich auch nicht mehr Komfort erwartet. Seit Jahren wird das Land mit Sanktionen, übrigens auch von Deutschland belegt und nun beklagen wir uns über den desolaten Zustand des Hotels?

Unsere Zimmer liegen im 10. Stock und wir haben einen fantastischen Blick auf Teheran und vor allen Dingen auf die unmittelbar dahinter liegenden schneebedeckten Berge. In den Bergen um Teheran befindet sich wohl auch ein sehr schönes Skigebiet, wie mir Kaveh erzählt. Er durfte in seiner Kindheit kein Skifahren, die Sportart war aus Sicht seines Vaters zu dekadent und nur der oberen Schicht vorbehalten. Seine Schwester, die in Deutschland studierte und noch heute als Ärztin lebt, geht wohl heute auch in die Berge um sich auf den Brettern zu bewegen.

Mit war die Nähe der Berge zur Stadt Teheran nicht wirklich bewusst und ich bin doch sehr beeindruckt.

Es ist heute Freitag und somit genießen die iranischen Familien ihr Wochenende und in dem Hotel nahegelegenen Laleh-Park macht man mit der Familie ein Picknick, spielt Tischtennis oder nutzt eine Rollschuhbahn. Es herrscht eine beruhigend ausgelassene Stimmung und wir knüpfen mal wieder Kontakte.

An einem Kiosk holen wir uns einen sehr leckeren Kaffee, an das verlockend aussehende Eis trauen wir uns nicht so recht ran.

Trotz des Feiertages nutzen andere Einheimische die freie Zeit zu diversen Einkäufen in dem kleinen Einkaufszentrum. Es gibt schon sehr viel Kitsch, buntes Spielzeug und sogar ein Geschäft mit  überschüssiger Ware von Tschibo, die Werbung verspricht TCM. Wir können es kaum glauben.

Das Abendessen nehmen wir in einem kleinen, persischen Restaurant des Hotels ein. Nach Suppe und Salat gibt es ein Gericht aus natürlich einem großen Teller Reis und einem Eintopf aus Cranberries, Walnüssen und Hühnchen, geschmacklich sehr lecker, doch durch die Walnüsse für mich etwas  zu trocken am Gaumen, zumal zum Spülen nur eine Fanta dient.

Trotz des Mangels an Alkohol wird es wieder ein netter Abend in geselliger Runde.

Nach einem Check der E-Mails und WhatsApp sind wir dann um 22:00 Uhr in der Falle.

 

Samstag, der 12.05.2018

Nach einem guten Frühstück treffen wir uns heute um 9:00 Uhr und es geht zum iranischen Nationalmuseum. Unser Reiseleiter Roland ist die Vorfreude ins Gesicht geschrieben.

Das Museum liegt nördlich unseres Hotels und mit uns besuchen verschiedene Schulklassen das Haus. Das Interesse der vorwiegend Mädchen liegt jedoch ganz offensichtlich eher darin mit uns zu kontakten, als sich die geschichtlich so bedeutenden Ausstellungsstücke anzusehen. Der Geräuschpegel ist schon erheblich und macht es Roland nicht so einfach die Bedeutung dieser Sammlung zu erläutern.

Nach der archäologischen Sammlung verlassen wir unsere Gruppe und erobern uns Teheran auf eigene Faust.

Wir haben gestern mit einem Taxianbieter Kontakt aufgenommen und für 35 Dollar lassen wir uns am Museum abholen und zum 110 Hektar großen Palastgelände des Saadabat Palastes fahren.

Wir sind überrascht, da wir nicht von einem Fahrer, sondern auch von dem jungen Mann vom Hotelcounter vor dem Museum erwartet werden. Mahady spricht ein relativ gutes Englisch und er schwänzt seine Schicht im Hotel um uns privat die nächsten Stunden zu begleiten. Der Fahrer spricht kein Englisch.

Der Verkehr hat gegenüber dem gestrigen Freitag erheblich zugenommen. Das Palastgelände  liegt ganz im Norden Teherans, gut 250 Meter höher gelegen als unser Hotel und als wir aussteigen beginnen wir zu frösteln, es sind vielleicht gerade mal noch 15 Grad C.

Am Eingang steht ein Häuschen mit sehr modernen Automaten um den Eintritt zu entrichten. Mahady zückt seine Kreditkarte und zahlt für uns die 300000 Rial (umgerechnet 6 €) pro Person und sagt, wir seien seine Gäste. Ich bin total gerührt.

Wir starten unseren Spaziergang auf dem Palastgelände und bewegen uns durch eine grüne Oase mit uraltem Baumbestand, nett bepflanzten Blumenbeeten und die Wege steigen an, wir kommen ganz schön in Wallung. Von den 110 Hektar werden wir zwar nur einen winzigen Teil besuchen, doch wir können die Ausmaße erahnen.

Auf dem Gelände befinden sich 18 einzelne Gebäude und die meisten dieser Paläste sind in Museen umgewidmet. In den 20er Jahren ließ Reza Schah Pahlavi die Anlage erweitern und nutzte sie als Amts-und Wohnsitz.

Ab den 1970er Jahren nutze sein Sohn Mohammed Reza Pahlavi gleichermaßen das Gelände. Die heißen Sommertage lassen sich hier bei kühleren Temperaturen angenehm verbringen, auch die Luft ist natürlich erheblich besser, über der Stadt liegt fast permanent eine Dunstwolke.

Wir haben uns für die Innenbesichtigung des „Weißen Palastes“ entschieden, ein äußerlich eher schlichtes Gebäude aus den 30er Jahren. Schreitet man die einladende Treppe hinauf betritt man die üppigen Räumlichkeiten.

In dem Häuschen mit 5000 m2 befinden sich 54 prunkvolle Zimmerchen. In einem der offiziellen Räume, dem Festsaal,  liegt ein Maschhad-Teppich von 140 Quadratmeter.

Wir können die privaten und offiziellen Räume von Mohammed Reza Pahlavi und seiner dritten Frau Fatah Diba besichtigen. Neben den edlen Seidenteppichen sind die Räume mit Antiquitäten aus der ganzen Welt, Porzellan aus Europa und China, Glaslüstern aus Murano und viel Prunk ausgestattet. Man bewegt sich durch das Treppenhaus mit grünem und weißem Marmor.

Wir hatten uns wohlweislich nur für eine Innenbesichtigung entschieden und das war eine gute Entscheidung, unsere Augen sind schon jetzt geblendet von dem vielen Prunk. Neben dem Palast befindet sich noch ein kleines Café und Mahady lädt uns zu einem Kaffee  und Torte ein. Auch zum Abendessen wären wir herzlich bei seinen Eltern willkommen und seine Mutter würde ihre Spezialität für uns kochen. Wir danken ihm für seine angebotene Gastfreundschaft und sichern einen Besuch beim nächsten Mal zu. 

 

Sonntag, der 13.05.2018

Heute steht die Fahrt nach Isfahan an, es geht weiter auf der Hochebene, immer rechte Hand das Sagros- Gebirge , das sich über 300 km erstreckt.

Nach der heiligen Stadt Ghom machen wir an einer der besten Raststätten Irans eine Teepause, unser Fahrer tischt uns Tee und Kaffee und eine Auswahl an Keksen auf. Er trägt ein weißes Hemd mit schwarzen Manschetten und jeweils 4 goldene Streifen, unser Kapitän also.

Mit uns machen mehrere Busse mit Frauen in Tschador gekleidet ihre Pause. Wieder werden wir von einem eher westlich gekleideten Pärchen angesprochen. Die Antwort auf die Frage woher wir kommen löst große Achtung und Freude auf. Wir werden gefragt, wie unsere Route verläuft und was uns in den Iran bewegt. Wir äußern unsere Missachtung der amerikanischen Entscheidung das Atomabkommen zu kündigen und ernten dafür große Dankbarkeit, gerade immer bei den jungen Leuten. Mit der Bitte der Beiden unseren Eindruck vom Iran nach Deutschland und nach Europa zu tragen verabschieden wir uns. Wieder eine der zahlreichen Begegnungen, die wir wirklich tagtäglich mehrfach erleben. Es ergeben sich auch hin und wieder solche Gespräche mit der älteren Generation, oder auch mit den Damen im Tschador, nur eben nicht so zahlreich und intensiv, aber immer sehr freundlich.

Den Weg von Teheran nach Isfahan, das sind knapp 400 Kilometer, legen wir auf der Schnellstraße A79 zurück. Es handelt sich um eine gut ausgebaute Straße, vergleichbar mit unseren Autobahnen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km. Die Umgebung ist jedoch deutlich anders, das Gebirge zur rechten und eine Steinwüste.

Das Mittagessen entfällt, ein paar Kekse tun auch ihren Dienst und wir möchten die verbleibende Zeit am heutigen Tag für einen Besuch in der Freitagsmoschee in Isfahan nutzen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir diese und wieder handelt es sich um ein unglaubliches Gebäude, nein es ist ein ganzer Komplex mit einer Gesamtfläche von 2 ha und ist somit die größte Moschee im Iran. Die Vorläufer der heutigen Moschee wurden jeweils im 8., 9. und 10 Jh. erbaut und wieder zerstört und im 11. Jh. wurde sie niedergebrannt. Nur die beiden Kuppelbauten überstanden den Brand unbeschadet und man begann die Anlage geschlossen wieder neu aufzubauen, es erstand die Grundlage für eine Vier-Iwan-Anlage der Moschee. Der Hof misst 55x65 m und es wurden mehrere Säulenhallen errichtet. Es ist schon ein sehr spezielles Gefühl durch diese Hallen mit diesen massiven Pfeilern zu gehen. Es liegen vereinzelt Teppiche zusammengerollt auf dem Boden und man kann sich gut vorstellen, wie die Menschen hier zusammenkommen, die angenehme Kühle des Raumes genießend.

Im 14 Jh. erweiterten die Mongolen den Gebetssaal und der aus dem Jahr 1310 zu datierende Mihrab ist wunderschön mit Ornamenten ausgeschmückt, er soll einer der schönsten im ganzen Iran sein.

Als wir aus dem Komplex der Moschee gehen, befinden wir uns auch schon wieder im benachbarten Basar. Hier kann man unter anderen schönen Dingen auch fertige Tschador käuflich erwerben. Allerdings lassen sich die iranischen Frauen wohl mehrheitlich ihren Tschador schneidern oder sie nähen ihn sich selbst. Ich bin doch sehr überrascht, dass der Tschador auch von vielen jungen Frauen so konsequent getragen wird. Auch die Mädchen in den Schulen tragen eine Art Tschador als Schulkleidung. Junge Frauen mit Kopftuch und den Po bedeckender Jacke sieht man schon, jedoch meistens doch sehr züchtig. Da hatte ich doch eine andere Vorstellung, da in unseren Medien doch viel von den modisch und sehr freizügig gekleideten jungen Frauen im Iran die Rede ist. Man trifft sie schon an, doch eben eher im studentischen Umfeld oder in einem Umfeld der Upperclass.

Was allerdings auch auffällt ist, dass die Frauen stetig damit beschäftigt sind, die Fuddel wieder in Stellung zu bringen und sie zappeln den ganzen Tag an ihrem Äußeren rum. Gut, das machen irgendwie unsere Mädels auch.

Mittlerweile habe ich mich an den Fuddel etwas gewöhnt , nein gewöhnen werde ich mich daran wohl nicht, aber wir tragen das Ding nun alle nicht mehr ganz so streng über das Haar. Der Vorteil des Fuddels ist, dass man sich nicht sonderliche Gedanken um die Frisur machen muss, was ich jedoch auch ohne nicht mache. Also für mich ist das Ding so nötig wie ein Kropf. Das ist meine Meinung, ich möchte den Musliminnen damit keineswegs zu nahe treten, die auch  ein Tuch tragen. Nur traue ich einem modernen Staat auch zu, den Besuchern, wie uns Touristen, und natürlich in erster Linie seinen Bewohnern einen respektvollen Umgang mit der Religion und Kultur zu pflegen.

Was rege ich mich auf, in ein paar Tagen kann ich mich von dem Ding befreien, die armen Mädels, besonders die junge Generation kann dies nicht.

Es macht jedoch viel Freude zu beobachten, dass die Menschen in diesem Teil der Erde mit sehr viel Respekt für den Einzelnen ein Miteinander pflegen. Ich habe während der gesamten Reise keine negative Szene erlebt, immer sehr viel Harmonie, insbesondere uns gegenüber mit viel Neugierde und Freude daran, dass wir ihre Heimat bereisen.

Wir besuchen nun noch das armenische Viertel in der Stadt. Unter dem Shah Abbas in den Jahren um 1605 siedelten sich ca. 30000 Armenier dort an, sie hatten als ausgewiesen sehr gute Handwerker den Auftrag vom Shah Abbas die Stadt zu verschönern. Viele Armenier bleiben im Land und sie besiedelten ein Ghetto, früher ein Armenviertel, heute ein bevorzugter Wohnort in der Stadt.

Wir sehen uns die Vank-Kathedrale, die Erlöserkathedrale an. Sie wurde von 1605-1655 erbaut, äußerlich unscheinbar lediglich durch das Kreuz auf der Kuppel als Gotteshaus erkennbar, eröffnet sich im inneren eine Symbiose zwischen christlicher Thematik und islamischer Formensprache. Neben Wandgemälden aus dem 18. Jh. zieren Motive aus der persischen Teppichkunst die Wände. Ein umlaufender Fries stellt das Martyrium des Heiligen Gregor dar. Neben dem Kirchengebäude befindet sich noch ein Museum, in dem auf den armenischen Genozid hingewiesen wird. Daneben befinden sich hier auch historische Gegenstände des armenischen  Lebens.

Nun haben wir uns eine kleine Stärkung verdient und wir genießen in einem sehr schön ausgeschmückten Gewölbe, einem armenischen Café unseren armenischen Kaffee und den armenischen Kuchen. Wieder sind wir die einzigen Touristen und wir sitzen unter lauter jungen Leuten eine schöne und  entspannte Atmosphäre

Aber zurück zum Tagesprogramm, auf dem noch zwei Stopps an den steinernen Brücken in Isfahan stehen.

Ehemals floss durch die Stadt Isfahan der Zayandehrud. Heute führt das Flussbett keinen Tropfen Wasser mehr, ein breites und riesiges Flussbett, aber trocken. Dies ist ein etwas befremdlicher Anblick.

Die erste Brücke ließ Shah Abbas im Jahr 1602 erbauen und sie ist nach ihren 33 Bögen benannt. Die Brücke leuchtet in dem sehr weichen Licht des frühen Abends.

Die zweite Brücke beeindruckt mich weniger wegen ihrer architektonischen Schönheit als viel mehr wegen der Atmosphäre, der wir hier teilhaben dürfen. Kaveh weist uns an, die Stufen zum Fuß der Brücke zu nehmen und man bekommt einen phantastischen Blick unter die offenen Bögen der Brücke. Aber beeindruckt und überwältigt bin ich, als ich das Flötenspiel eines Mannes vernehme und mit mir noch unzählige der Musik lauschende Männer und einige wenige Frauen die dort unter den Bögen auf den Steinblöcken sitzen. Auch unser Eindringen tut der Stimmung keinen Abbruch. Eine ganz besondere Atmosphäre, die sich mir einbrennen wird. Eine einzige Flöte erschallt die 150 m  langen Arkaden der Brücke, Gänsehaut pur!

Den Abend beschließen wir mit einem eher mäßigen Essen im Hotel. Alle sind einigermaßen kaputt und nüchtern begeben wir uns in unser Bett.

 

Montag, der 14.05.2018

Heute benötigen wir unseren Bus nicht, unser Hotel liegt sehr zentral und wir können unsere Besichtigungspunkte gut zu Fuß erreichen. 

Der Chehel-Sotin-Palast ist unser erster Stopp. Ein Palast aus der safawidischen Zeit, also aus dem 16/ 1700 Jh., erbaut unter unserem mittlerweile „Lieblingsshah“ Shah Abbas. Da wir am gestrigen Tag leider den Ausführungen unseres Reiseleiters nicht folgen konnten und den, also diesen Shah zeitlich nicht einordnen konnten, haben wir uns alle für den heutigen Tag natürlich vorbereitet und es wird auf unserer Reise im Iran „der Shah“ werden, ein Running Gag.

Dem Palast vorgelagert ist ein Wasserbassin, in dem sich die 20 Säulen aus Zedernholz, die übrigens aus dem Libanon stammen, widerspiegeln und dem Palast ihren Namen verliehen. Die kleine Iwanhalle ist mit Spiegelmosaiken ausgeschmückt. Im inneren der Empfangshalle finden sich Fresken und riesige Wandgemälde aus der Zeit des besagten Shah Abbas.

Beiderseits des Palastes erstrecken sich prächtige Parkanlagen. Nach wenigen Schritten erreichen wir schon den absoluten Höhepunkt der Stadt Isfahan, den Meydan-e-Imam, den zentralen Platz. Wir betreten den Platz durch Arkaden schreitend, unter den bereits die Handwerker und Händler ihre Waren anbieten.

Die 2 Millionen Einwohner fassende Stadt liegt auf einer Anhöhe von 1600 Meter und wird durcn den in den Bergen von Bakhtiari entspringenden Fluss Zayandehrud zu einem fruchtbaren Tal. Sie ist berühmt für Teppiche und natürlich für Seide und Baumwolle.

Ich muss mal gerade inne halten. Seit unserem Eintreffen in Zentralasien, sprich Usbekistan und insbesondere hier nun im Iran habe ich große Probleme mit der trockenen Luft. Es ist eine anspruchsvolle Prüfung für die Nasenschleimhäute. Zurzeit beträgt die relative Luftfeuchtigkeit gerade mal 16-19%. Hinzu kommt der Totalangriff durch die permanente Unterkühlung durch die Klimageräte in den Räumlichkeiten. Die Tagestemperaturen liegen mit Mitte 25 in einem angenehmen Bereich, des Abends wir es sogar hin und wieder mal etwas frisch.

Nun aber zurück zu dem Schmuckstück, dem Meydan von Isfahan. Auf den ersten  Blick lässt sich dieser Platz gar nicht erfassen. Man braucht einen kurzen Moment um sich an diese Dimension zu gewöhnen.

Der Platz gehörte zum ehemaligen Palastgebietes des Shah  Abbas , dem „er“.

Der Meydan  ist exakt rechteckig mit den Maßen 500 Meter in der Längsseite und 150 Meter in der Breite. Eingefasst wie der Platz von doppelstöckigen Arkaden, in denen zu ebener Erde die Läden untergebracht sind. An jeder schmalen Seite des Platzes befinden sich sehr hohe Iwane. Der nördliche Iwan führt in den Basar. Der südliche Iwan ermöglicht den Zugang zu der Imam Moschee. An der östlichen Breitseite liegt die Shaikh Lotfollah Moschee und ihr gegenüber liegt der Torpalast Ali Qapu mit einem sehr schönen Holzbalkon, der sich geradezu für ein schönes Foto anbietet. Von der Terrasse hat man einen Überblick über den gesamten Platz. Hier waren ehemals die Palastwachen stationiert, das Gebäude hat eine Höhe von 68 Metern.

 

Wir besichtigen alle diese beeindruckenden Gebäude des Meydan und sind wieder mal überwältigt. Aber wieder mal beleben die Menschen diesen Platz und die umliegenden Gebäude mit einer sehr friedlichen und angenehmen Atmosphäre.

In einem Tee Salon machen wir noch ein Päuschen. Anschließend erobern wir uns den Basar und die angrenzenden Wohngebiete. Wir gehen durch einfache Straßen mit einer Schotterschicht und einfache, teils zweistöckige Wohngebäude. Die Häuser sind in sehr einfachem, teils marodem Zustand. Aber alle Leute auf den Straßen sind auch hier in ihrem privaten Territorium, so will ich es mal bezeichnen, sehr nett.

Wir haben wegen des bevorstehenden Ramadan heute schon mal ein größeres Problem ein Restaurant für das Abendessen zu finden und so hat uns Kaveh einen Tisch im besten Haus am Platze, dem heutigen Hotel Abbasi .

Stefan und ich verbringen die gesamte Zeit in und um den Meydan und schlendern dann zum Abbasi. Dort angekommen nehmen wir im Innenhof Platz und genießen unseren Tee. Hier sehen wir nun auch die Frauen, die bei uns so viel Aufsehen erregten. Hier sitzen die Frauen, die sich nicht so sehr an die Kleidervorschrift halten und Haare und Kopftücher doch einigermaßen frei tragen. Hier sitzen die in unseren Augen modernen iranischen Frauen. Aber spiegeln sie die junge  iranische Gesellschaft wider? Warum soll eine Frau mit Kopftuch nun nicht auch modern denken? Ich werde da noch intensiver drüber nachdenken müssen.

Übrigens haben wir dann noch sehr nett im Innenhof des Hotels gesessen, das essen war jedoch eher bescheiden gut und auch viel zu teuer.

 

Dienstag, der 15.05.2018

Heute liegen knapp 500 km zwischen Isfahan und Shiraz vor uns. Nach einem ordentlichen Frühstück geht es um 8:00 Uhr los in die Wiege Persiens. Nach ca. 200 km erreichen wir die Grenze der Provinzen Isfahan und Fars, hier nahm das  Weltreich Persien seinen Ursprung.

Wir bewegen uns nach wie vor auf der Hochebene, von den Gebirgen eingekesselt. Die Gegend ist karg, wüstenhaft, unterbrochen nur von einigen grünen Oasen, die auch gleich besiedelt wurden. Wir befinden uns noch immer auf den Pfaden der Seidenstraße, davon zeugen die Überreste der Lehmziegelbauten der ehemaligen Karawansereien.

Es sind heute ganz angenehme Temperaturen, so um die 27 Grad C. Mit ein wenig Phantasie kann man sich das raue Leben mit Sandstürmen und den unangenehmen Temperaturen im Winter vorstellen.

Unterwegs sehen wir in der Nähe der Oasen ein wenig Ackerbau und Hirten, die mit den Schafen unterwegs sind.

Die Autobahn ist gut ausgebaut und wir kommen mit einer Geschwindigkeit von 100 km/Std ganz gut voran.

Auf unserer Strecke liegt auch die Achämeniden Residenz Pasargadae auf einer Hochebene auf 1900 Meter. Übrigens bewegen wir uns durch den Iran die ganze Zeit auf einer Hochebene, am heutigen Tag erreichen wir Spitzen von 2600 Meter Höhe, die durchschnittliche Höhe liegt so bei 1500 Meter.

Kyros gründete  in Parsargadae nach einem Sieg über König Astyages 550 v. Chr. seine erste Königsresidenz. Zu seinen Lebzeiten begann man noch mit dem Bau eines Grabmals für den König, doch es wurde erst unter seinem Sohn fertiggestellt. Das Grabmal mit 11 Meter Höhe ist  schon von weitem in der Ebene sichtbar und ragt monumental heraus.

Es existieren noch einige Überreste der ehemaligen Residenzstadt Paradeisos, die man sich mit riesigen Gartenanlagen, Wasserläufen und großzügigen Palastbauten vorstellen muss. Heute sind noch vom Residenzpalast des Kyros einige Säulen zu sehen, weiter die Steinplatten für den Boden. Auch einige Reliefs sind noch zu erahnen.

Auf dem Weg nach Shiraz kommen wir bereits an Persepolis und an den Felsgräbern von Nash-e-Rostam vorbei, die wir jedoch morgen früh besichtigen werden, wir hoffen dann auf ein schönes Licht der Morgensonne.

Auf dem Weg nach Parsargadae hatte Kaveh ein kleines Restaurant ausgeguckt, in dem wir nun unsere Mittagspause verbringen. Für uns steht ein Buffet mit Salaten und Hauptspeisen bereit. Es ist alles ganz köstlich und inklusive eines Softgetränkes und eines Kaffee sollen wir sage und schreibe 250000 Rial zahlen, das sind gerade mal knapp 5 € pro Person. Ich erinnere an gestern Abend im Abbasi Hotel, dem angeblich besten Haus am Platz, haben wir 1,9 Millionen Rial , also umgerechnet 20 € pro Person für Buffet minderer Qualität bezahlt. Aber der Name kostet halt.

Vor uns liegt nun noch eine Fahrzeit von gut 2 Stunden und unser Hotel, das Grand liegt außerhalb der Stadt Shiraz, schade. Wir werden hier wohl kaum fuß läufig in die Altstadt gelangen.

Wir haben unsere letzte weitere Strecke von knapp 500 km bestens bewältigt und trotz einigen Verdauungsstörungen einiger Mitreisender auch ohne zusätzliche spontane Stopps in der Prärie.

Während unserer Reise durch den Iran haben wir mit dem Zug von Maschhad nach Teheran 740 km und mit dem Bus dann in südliche Richtung insgesamt 870 km zurückgelegt und wir konnten uns einen Eindruck von der Landschaft, insbesondere von der Hochebene machen.

Das Hotel liegt sehr schön an einem Hang gebaut und wurde ich den letzten Jahren wohl noch um einige Stockwerke aufgestockt.

Wir hätten aus  unserem Zimmer im 7. Stock einen fantastischen Blick haben können, wenn da nicht die Klimaanlage des Hotels diesen versperrt hätte.

Wir beschließen uns für eine kleine Auszeit zurückzuziehen, Stefan geht ins Schwimmbad, ich döse ein bisschen auf dem Bett. In diesem Hotel gibt es zwei Schwimmbäder und Saunen, schön nach Geschlechtern getrennt.

Am frühen Abend verabreden wir uns mit den beiden Schweizern und fahren in die Nähe des Zuganges zum Bazar. Ich sehe mir noch einen Hamman an, leider habe ich einen solchen noch nicht besuchen können. Die alten Gewölbe sind reich mit Malereien versehen.

Anschließend genießen wir die beschauliche Atmosphäre in einem Garten mit Wasserspiel, einem sehr schönen Teehaus.

Der Bazar von Shiraz ist etwas großzügiger. Von den einzelnen Straßen, einige zweigen von dem eigentlichen Bazar ab, sind dann aber nicht mehr überdacht. Die Frauen suchen sich neue Stoffe für ihre Tschador, oder auch farbenfrohe, teils mit goldener Spitze versehene Stoffe aus. Auch Gewürze gibt es hier in Hülle und Fülle, wir kaufen Safran aus Maschhad, wohl der beste im Iran. Weiter kaufe ich Berberitzen und getrocknete Aprikosen, einfach super köstlich!

Mittlerweile ist auch schon die Sonne untergegangen und wir finden auf Empfehlung eines Kellners im Café ein sehr schönes Restaurant und genießen einen lauen Sommerabend mit ganz köstlichen iranischen Speisen. Gedanklich würde hier nun ein kleines kühles Weinchen ganz hervorragend passen.

Wir ergattern ein Taxi, welches seine besten Tage auch schon mehrere Jahrzehnte hinter sich hat und auf einer abenteuerlich halsbrecherischen Fahrt kommen wir doch noch unversehrt im Hotel wieder an. Der Transport hat uns umgerechnet knapp 2 € gekostet.

Die Sache mit dem Geld ist auch so ein eigenes Thema im Iran. Es laufen zwei Währungen praktisch parallel, der Rial und der Toman. Die atemberaubenden Wertbeträge der Scheine, vom kleinsten 10000 bis zum 500000 Rial-Schein lassen uns schnell zum Millionär werden. Wir haben zum Beispiel für das gerade erwähnte Abendessen mit Getränken 700000 Rial bezahlt, das sind in etwa 14 €. Im alten Persischen Reich gab es eine Goldmünze, den Toman, der heute wieder Erwähnung erfährt.  Im Straßenhandel und auf dem Basar entspricht ein Toman zehn Rial. Dies nötigt uns sehr viel Geduld bei den Zahlungsmodalitäten ab. Übrigens haben wir unsere Devisen in Dollar getauscht, dies sollte man aber nur bei vertrauenswürdigen Menschen machen. Der Straßenhandel mit Devisen blüht. Auch ist der Wert des Rial infolge der politischen Veränderungen der letzten Tage rapide gefallen, von 52000 auf 80000 Rial.

 

Mittwoch, der 16.05.2018

Wir genießen das schöne Frühstück und heute kommt der große Tag, die große Entdeckung, heute besuchen wir Persepolis. Das ist wohl einer der Höhepunkte der Reise.

Nach rund 40 km gelangen wir auf die Zufahrtsstraße und Persepolis liegt vor uns, wir werden durch unseren Reiseleiter mit Klängen aus Wagners Walküre auf die vor uns liegende Stadt des  Darius eingestimmt.

Es hat sich in den letzten Jahres hier wohl so einiges getan, was das Merchandising betrifft. Ein für iranische Verhältnisse großes Besucherzentrum erwartet uns, ein riesiger Busparkplatz mit wenigen Bussen und einige Händler an der Prachtstraße, die ihre Devotionalien veräußern möchten.

Wir sind begeistert, es sind kaum weitere Besucher außer uns da und wir erobern uns in einem morgendlichen Licht Persepolis. 

Nachdem wir die Prachtstraße hinter uns gelassen hatten, stehen wir vor dem 18 Meter hohen Palastterrasse. Rechts und links der Terrasse führen Treppen mit zahlreichen Stufen mit geringem Niveau hinauf. So fällt der Anstieg nicht schwer und man erklimmt die Stufen mit einem erhabenen Schritt.

Auf dem Plateau erschließt sich dann dem Auge die gesamte Anlage, unbeschreiblich! Ich will es mal kurz versuchen, doch genauere Beschreibungen kann man sicher der weiterführenden Literatur entnehmen.

Das achämenidische Reich erstreckte sich vom späten 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 4. Jahrhundert v. Chr.. Persepolis wurde von Kyros II gegründet und unter Darius I., oder auch Dareios I. wurde sie Residenzstadt der Perser. Darius I. residierte in Parseh, wie die Griechen die Stadt nannten und einmal im Jahr lud er Vertreter von allen Völkern seines riesigen Reiches zum Neujahrsfest ein. Es muss ein rauschendes Fest von mehreren Tagen gewesen sein und von den zahlreichen Besuchern zeugt ein Relief von 23 Delegationen der insgesamt 28 Völkerschaften. Das super erhaltene Relief befindet sich am Hauptportal des Apadana, des Empfangspalastes. Neben dem Zugang zur Terrasse mit dem Tor aller Länder, verschiedenen Wohnpalästen, dem 99-Säulen-Saal und den Verwaltungsgebäuden ist der überragende Blick vom Grab des Artaxerxes II. über die gesamte Anlage der unübertroffene Höhepunkt.

Der Aufstieg zum Grab würde von unseren Behörden so nicht im Traum genehmigt und ich möchte nicht wissen, wie viele Besucher mit diversen Frakturen diese Örtlichkeit wieder verließen.

Ich bin sicher kein Freund von alten Ausgrabungen, doch Persepolis war so beeindruckend, dass man schon auch mal davon überwältigt wurde.

Ein weiterer Höhepunkt folgte dann noch am Nachmittag mit der Besichtigung der Felsengräber von Naqsh-e Rostam. In einer steil abfallenden Felswand  findet man die vier Gräber der achämenidischen Könige, darunter eben auch von Darius I. Das Grab ist wie ein Kreuz in den Fels gemeißelt, mittig befindet sich der Zugang zu der Grabkammer, geschmückt von einem Relief.

Wir haben auf der Fahrt zurück nach Shiraz schon mal Zeit die Eindrücke zu verarbeiten, doch die Bilder werden uns noch einige Zeit präsent bleiben.

 

Donnerstag, der 17.5.2018

Am heutigen Tag beginnt für die Muslime der Ramadan, mit anderen Worten die Restaurants und Cafés sind größtenteils tagsüber geschlossen, manche schließen über die gesamte Zeit des  Ramadan.

Eine Reise in den Iran über diese Fastenperiode bietet sich für uns Touristen nicht an.

Heute stehen noch ein paar Besichtigungen in Shiraz an und wir werden von dem Reiseleiter Kaveh gebeten, Wasser nicht mit aus dem Bus zu nehmen und öffentlich zu trinken. Auch kaufen wir bei einem fliegenden Händler ein paar unreife Pflaumen, die mit Wasser benetzt und gesalzen werden. Auch diese ungeahnte Köstlichkeit probieren wir erst wieder in unserem geschützten Raum im Bus. Zunächst geht es zur Moschee.

Sie unterscheidet sich maßgeblich von den bisherigen Moscheen auf dieser Reise, sie ist aus dem 19.Jh. und sehr bunt mit floralen Motiven und Abbildungen europäischer Landschaften auf den Wandfliesen geschmückt. Wir merken uns, je bunter, desto jünger die Moschee.

Weiter geht es mit dem Bus zum Grabmal des Saadi, dem berühmten persischen Dichters, der 1193-1292 lebte und viel in der Welt rumgekommen ist, schließlich jedoch in Shiraz beigesetzt wurde. Zu seinen Werken zählen Gedichte und Kurzgeschichten, wie der Duftgarten oder der Rosengarten. Hier ein Auszug aus einem seiner Werke, ich sehe Parallelen  zur Gegenwart: Schönen Gruß an Amerika.

 

„Wenn einer in dem Volke töricht handelt,
So fällt Verachtung gleich auf groß und klein.
Oft kann ein einz’ger Ochse auf der Weide
Verderber einer ganzen Herde sein.

 

Zurück zum Mausoleum, welches ein Wasserbassin zielführend vorgelagert ist. Es folgt eine Halle mit einer Fliesenkuppel. Neben dem Gebäude befindet sich eine unterirdische Quelle

Nun besuchen wir auch noch den zweiten großen Dichter dieses Volkes, Hafiz. Dieser lebte im 14. Jh und das Mausoleum liegt in einer sehr schönen Gartenanlage. Der Pavillon ist aus de 18. Jh. und das Grabmal wird von den frisch vermählten Paaren aufgesucht, da Hafiz der Schutzpatron der Liebenden ist

Wir kehren der Stadt den Rücken zu und zurück in unser Hotel. In Erwartung eines kleinen Snacks suchen wir den Restaurantbereich aus, doch aufgrund des Ramadan kommen wir nicht in den Genuss einer Zwischenmahlzeit. Der Thekenbereich ist abgedeckt und es gibt ausschließlich Getränke, die man jedoch nur auf den Zimmern verzehren darf. Im öffentlichen Raum des Hotels gibt es nichts. Wir begnügen uns mit ein paar übrig gebliebenen Reisekeksen und freuen uns auf das Abendessen.

Das Restaurant öffnet bereits vor Sonnenuntergang, eine Geste an die Touristen, die es nun mal kaum abwarten können. Es ist unser Abschiedsabend und den verbringen wir im Laufe des Abends mit den vielen einheimischen Gästen, die sich das abendliche Buffet zu Ramadan nicht entgehen lassen und sich die Tellern vollschlagen.

Unser Flug nach Istanbul startet um 3:00 Uhr nachts und dann geht es für uns weiter nach Bremen. Um 11.00 Uhr erreichen wir unsere Heimat in Osnabrück.

Es fällt schwer ein Résumé dieser Reise zu ziehen.

Es waren drei Länder, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Usbekistan, das Land des Geruches nach Maulbeeren wird mir als ein Land freundlicher Menschen und beachtlicher Kultur in Erinnerung bleiben. Für die Turkmenen wünsche ich mir ein demokratisches System. Der Iran ist voller geschichtlicher, kultureller und religiöser Highlights und einem jungen Volk mit Visionen. Warum müssen wir hinter jedem Menschen einen Schurken vermuten, nur weil er oder sie ein Kopftuch trägt. Liegt es nicht vielmehr daran, dass uns die Kultur fremd ist und bedarf  es dieser Einschätzung nicht zu hinterfragen?

Ich habe viel gelernt auf dieser Reise und muss mal wieder feststellen, dass wenn man mit den Menschen ins Gespräch kommt, viele Vorurteile abgebaut werden können.